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Aus reiner Neugier: Daniel Meis
Daniel Meis

Herr Meis, woran arbeiten Sie zur Zeit?

Parallel an mehr Projekten als es innovative Ansätze in der deutschen Wissenschaftspolitik gibt — wobei, das ist wahrscheinlich ein schlechter Vergleich, denn das ist nicht wirklich schwierig. Jedenfalls arbeite ich immer an vielen Projekten gleichzeitig, von der Rezension bis zur Quellenedition. Aktuell sitze ich beispielsweise an der ersten umfassenden geschichtswissenschaftlichen Monografie über die Salondame Caroline von Schelling, mit welcher ich meine Habilitation anstrebe.

Was ist für Sie, die wichtigste Entdeckung?

Wenig überraschend, dass ein Historiker das jetzt sagt, aber: der Buchdruck! Beständigkeit, Weiterverbreitung und Überlieferung von Wissen wurde so auf einer ganz neuen Ebene möglich. Da kann im historischen Vergleich selbst die Digitalisierung (noch) nicht mithalten.

Welche Eigenschaften muss ein erfolgreiche:r Forscher:in haben?

Ausdauer, Leidenschaft, Hingabe, Mut, Wissbegierigkeit.

Mit welcher:m bedeutenden Wissenschaftler:in hätten Sie gern zusammengearbeitet — oder würden es gern tun?

Gerne zusammengearbeitet hätte ich mit Karl Dietrich Bracher, dessen breiter Blick einfach faszinierend ist, sowie mit Peter Hüttenberger, der für mein Lieblingsfeld, die Gauleiterforschung, mehr geleistet hat, als jeder andere.

Wenn Sie nicht Wissenschaftler/in wären, was wären Sie dann?

Gute Frage. Auf jeden Fall etwas weniger erfüllendes.

Welchen Stellenwert hat das (gedruckte) Buch für Sie?

Einen unantastbaren. Ich bin zwar ein Freund des parallel gedruckten, wie digitalen Publizierens. Aber das Gedruckte hat dem Digitalen vieles voraus. Klar ist das Digitale gemütlicher, wenn man dringend vom Schreibtisch aus eine Studie benötigt. Aber das Gedruckte ist auch verfügbar, wenn die Technik nicht mitspielt. Es ist etwas zum Anfassen und Fühlen. Zudem ist es Wissen, das nicht so leicht von anderen eingeschränkt, verboten, zensiert, manipuliert oder überwacht werden kann.

Ist Bücherschreiben noch zeitgemäß?

Natürlich. Ein Artikel oder Aufsatz kann vieles prägnant in sich fassen. Aber ein Buch hat einfach mehr Platz für Ideen, Gedanken sowie Diskussionen. Das Buch, und damit das Bücherschreiben, ist unersetzlich. Daran kann auch das Internet nichts ändern.

Braucht die Wissenschaft Verlage?

Ja, definitiv. Die Wissenschaft ist so schon völlig überladen mit Bürokratie, Organisation und Management, und das auch noch, ohne dazu auch nur in irgendeiner Form ausgebildet zu sein. Sich auch noch um das Publizieren als solches, mitsamt Lektorat, Gestaltung, Werbung und Verfügbarkeit zu kümmern, wäre erstens unsinnig, und zweitens qualitativ weniger hochwertig. Auch volkswirtschaftlich gesehen machen Verlage für die Wissenschaft Sinn. Warum soll ein teuer ausgebildeter Wissenschaftler sich zusätzlich auch noch mit anderen Sachen beschäftigen, als der Wissenschaft?

Ist OpenAccess die Zukunft?

Es wird weiter das Gedruckte und Digitale ergänzen, aber die Probleme bei Open Access sind leider die gleichen wie beim digitalen Publizieren.

Dr. Daniel Meis forscht und lehrt am Institut für Geschichtswissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und am Historischen Institut der Universität Stuttgart. Seine Schwerpunkte liegen in der Biografik, der Mediengeschichte, dem Nationalsozialismus, der Regionalgeschichte sowie der Unternehmensgeschichte. Er freut sich immer über Rückmeldungen und ist stets per Email erreichbar.
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